Grundlegende Möglichkeiten der Interaktion

Was macht denn eigentlich ein am Rechner präsentiertes Panoramafoto »interaktiv«? Die Antwort auf diese Frage möchte ich im Folgenden erläutern. Letztendlich geht es dem Fotografen mit seinem Kugelbild darum, den VR-Panorama*-User am Computerbildschirm zu faszinieren und dazu zu ermuntern, mit der Maus in diesem Panorama auf Entdeckungstour zu gehen. So soll der Eindruck entstehen, dass man die Szene fast so sieht und selbst erfahren kann wie in Wirklichkeit vor Ort. 

Es ist die sogenannte »Engine«, die Softwareplattform als »Motor« – sei es HTML5, QuickTime, Flash, Java oder andere Multimedia-Player-Architekturen –, die uns bei der virtuellen Panoramadarstellung die Möglichkeit bietet, mit dem breiten Bild zu interagieren.

Zoomen

Das Zoomen im VR-Panorama-Fenster ermöglicht es den Anwendern, den dargestellten Bildwinkel am Computer mit Tastatur oder Maus nahezu stufenlos zu verändern. Die meistens im Player-Fenster dargestellte perspektivische Projektion entspricht dann beim Herauszoomen einem Weitwinkel- und beim Hereinzoomen in Annäherung einem Teleobjektiv-Bildwinkel. Man kann sich also schnell einen Gesamtüberblick im Panoramabild verschaffen und kurz darauf bestimmte Bildinhalte im Detail betrachten, sofern es die Bildauflösung zulässt und der Fotograf beim Erstellen des interaktiven Panoramas die Zoomgrenzen entsprechend gesetzt hat. Diese Funktion ähnelt also der Anwendung eines Zoomobjektivs an der Kamera.

Die Player zeigen für diese Funktion z.B. einen Plus- (kleinerer Bildwinkel, mehr Detail) und einen Minus-Button (größerer Bildwinkel, weniger Detail) in einer spezifischen Bedienleiste, meist am unteren Bildrand. Alternativ zur Bedienung der Buttons mit der Maus gibt es oft noch die Tastaturbefehle für das Zoomen. Mit der (Umschalt)-Taste zoomt man z.B. bei QTVR-Panoramen in das Bild hinein und mit der (ctrl)-Taste wieder heraus. Dabei ändert sich der Cursor zur Lupe mit Plus- bzw. Minuszeichen.

Das Zoomen sollte man beim Erstellen eines Panoramas nur so weit zulassen, sprich im Winkel beschränken, wie es ästhetische Gesichtspunkte  und die Auflösung erlauben. Bei den meisten VR-Motiven möchte man einen natürlichen Bildeindruck erzeugen, daher macht die Beschränkung des Zoombildwinkels auf jeden Fall Sinn.

Scrollen

Das Scrollen im Panoramabild, also die Veränderung des horizontalen und vertikalen Bildwinkels, ist sicherlich die am meisten angewandte Navigationsform der VR-Panorama-User. Nur das Scrollen zeigt schließlich das gesamte Bild – zwar nicht auf einmal, aber immerhin kontinuierlich, analog eines Kameraschwenks mit der Videokamera oder der Sicht beim Drehen des Kopfes.

Typische sphärische Panoramen in der interaktiven Darstellung erlauben das grenzenlose Scrollen in einem Viewer-Fenster: 360° horizontal und 180° vertikal. Die Scrollbewegung wird normalerweise durch Ziehen der gedrückten Maustaste im Bild bewirkt. Damit ist sogar das gleichzeitige Scrollen und Zoomen im Viewer-Fenster möglich. So erhält man als Anwender den Eindruck eines typischen Schwenks mit der Videokamera.

Alternativ zur Maus kann man bei den meisten Viewern auch die Pfeiltasten auf der Tastatur zum Bildscrollen einsetzen. Ebenso wird das Scrollrad der Maus von den meisten Viewern zum Scrollen im Bild unterstützt. Bei einigen Playern ändert sich der Cursor beim Scrollen zu einem Pfeil, der die zu erwartende Scrollrichtung angibt.

Beim Erstellen eines interaktiven Panoramas kann auch die Option Automatisches Drehen angegeben werden. Wählt man diese Option, so dreht sich das Panorama ohne Eingriff des Users von selbst in horizontaler Richtung, die Interaktionsmöglichkeit durch Scrollen mit der Maus ist aber weiterhin gegeben. Die Funktion des automatischen Drehens kann dafür eingesetzt werden, dem User zu verdeutlichen, dass es sich bei dem dargestellten Bildausschnitt auch um ein interaktives 360°-Panorama handelt. Dreht sich das Panorama nicht von selbst, besteht die Gefahr, dass der unbedarfte User das Bild nicht als interaktives Panorama erkennt. Auf der anderen Seite nimmt die automatische Drehung dem fortgeschrittenen User die Möglichkeit, sich völlig autark im Bild zu bewegen. Dafür gibt es aber auch eine spezielle Einstellung, die das Bild nur so lange dreht, bis der User selbst mit der Maus navigiert. Damit oder mit einem entsprechenden Funktionsbutton hat das automatische Drehen dann ein Ende.

Verlinken

Mit der Möglichkeit, Verlinkungen in die VR-Panoramen einzubauen, erschließt sich das immersive Bildmedium als interaktiver, visueller Bestandteil eines Multimedia-Projekts. Links (hypermediale Verknüpfungen) werden über einen »Hotspot« genannten Bildbereich definiert, den der Panoramafotograf in der Nachbearbeitung in das Panoramabild oder auf die Würfelflächen zeichnen oder implementieren kann.

Eine typische Verlinkung wäre der Aufruf eines weiteren interaktiven Panoramas, das thematisch mit dem aktuell gezeigten Panorama zusammenhängt, z.B. ein weiterer Raum innerhalb eines virtuellen Rundgangs. In diesem Fall würde man den Hotspot auf die Tür legen, die man auch in Realität durchschreiten würde, um den Nachbarraum zu erreichen. Besonders dynamisch wirkt hierbei ein leichtes Heranzoomen auf die Tür, nachdem der Hotspot angeklickt wurde.

Bekommt ein Hotspot eine URL, also eine Webadresse zugewiesen, so lässt sich natürlich auch ein HTML-Dokument oder ein anderer im Browser darstellbare Medientyp aufrufen.

Die Einbindung von Sound in VR-Panoramen sieht man eher selten, da viele Panoramafotografen diesen wichtigen Medientyp schlicht vernachlässigen. Generell kann ich nur empfehlen, zu jeder Location auch eine Tonaufnahme zu machen. Sounds können das VR-Panorama in seiner immersiven Gesamtwirkung sehr unterstützen. Je nach horizontalem Blickwinkel im Panorama-Viewer lässt sich ein Sound abspielen und von der Lautstärke her einblenden.

Bildmanipulation

Der krpano Flash Panorama Viewer bietet interaktive, sogenannte »Little Planets« als spezielle Interaktionsmöglichkeit an. Diese stereoskopischen Projektionen ermöglichen eine interessante Darstellung von sphärischen Panoramen mit hohem Spaßfaktor.  Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, durch Menüwahl andere, spezielle Projektionen spielerisch auszuprobieren.

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* „VR“ („Virtual Reality“) bezieht sich in diesem Beitrag eher auf interaktive Panoramen am Computerscreen, nicht auf VR-Brillen